Marcia Wick erhöht im Powerplay vorentscheidend auf 3:0. Foto: Andi Suter

Charaktertest bestanden: Jets schlagen Zug 5:3

Nach der bitteren Cup-Niederlage vergangenen November zeigt Kloten-Dietlikon eine starke Reaktion. Gegen den letztjährigen Superfinal-Gegner haben die Jets über weite Strecken die Kontrolle.

Der Nachmittag in der Stighag beginnt mit einem Bild für die Galerie: Sara Piispa steht im Rampenlicht – diesmal jedoch nicht für ein Tor, sondern für ihre Konstanz und ihr Engagement. Stolze 4300 Franken hat die Finnin mit ihren bisher 27 Scorerpunkten als Mobiliar-Topskorerin der Kloten-Dietlikon Jets für den Nachwuchs eingespielt. Die Botschaft an die jungen Talente: Die Nationalspielerin ist ein Vorbild, dem es nachzueifern gilt. Und Piispa untermauert dies nur wenige Minuten später auf dem Feld mit zwei weiteren Scorerpunkten.

Nach der schmerzhaften Cup-Revanche im November (2:7) hatten die Jets mit Zug noch eine Rechnung offen. Von Abtasten war keine Spur – dafür kennen sich diese zwei Spitzenteams schlicht zu gut. Während Nationalspielerin Leonie Wieland ihr Team nach ihrer Knie-Operation hinter der Bande unterstützte, übernahm Stürmerin Gentiana Behluli eine ungewohnte Rolle: Sie agierte in der Defensive. Und interpretierte ihre neue Rolle gewohnt kämpferisch. In der 15. Minute war sie nach einer ungewollten Rolle auf dem Boden im Nu wieder am Spiel – sinnbildlich für den Biss der Jets in diesem Startdrittel.
Behlulis Premiere in der Abwehr ist geglückt. “Es hat Spass gemacht, auch im Block”, sagt sie nach der Partie gutgelaunt. “Meine Mitspielerinnen haben mich voll unterstützt.”

Die verdiente Führung der Jets resultierte schliesslich aus einer Freistossvariante: Von Chiara Bertini gelangte der Ball via Lea Suter zu Nina Metzger, die zum 1:0 ablenkte. Zug wirkte in diesem ersten Abschnitt phasenweise wie beim Spiel „Schweinchen in der Mitte“: Die Gäste jagten dem Ball nach, den die Jets schnell und sicher in den eigenen Reihen zirkulieren liessen. Nur die Torausbeute stimmte mit nur einem Treffer nicht ganz.

Attraktiver Schlagabtausch im Mitteldrittel

Auch im Mittelabschnitt blieb das Spiel beider Teams körperbetont und schnell. Laila Ediz ist seit Anfang Jahr aus Schweden (Warberg) zurück – und mit ihr sind es die perfekt getimten Zuspiele auf ihre Sturm-«Partnerin in crime» Marcia Wick. Ihre erste Linie schwärmte immer wieder aus wie eine perfekt koordinierte Spezialeinheit – schnell, präzise und kaum zu stoppen.

Doch auch die Gegnerinnen verzeichneten nun hochkarätige Chancen, die einem Spitzenteam würdig waren. Zug drückte, Zug kombinierte, Zug kam zum Abschluss – aber Zug kam nicht zu Toren. Das lag vorab an einer Frau: Livia Werz. Die Jets-Hüterin lieferte sich mehrere Privatduelle mit Nationalstürmerin Isabelle Gerig sowie Zugs Topskorerin Julia Croneld. Ob aus spitzem Winkel oder frontal – Werz blieb die Siegerin. Auch eine Unterzahl nach Wechselfehler überstanden die Jets dank ihrer Paraden schadlos.

In der 31. Minute lieferte dann Ida Sundberg wieder einmal ein Müsterchen ihrer aussergewöhnlichen Spielintelligenz: Sie wartete den perfekten Moment ab und bediente Marcia Wick, die sich in den hohen Slot geschlichen hatte. Kurz vor der Sirene zeigten die Jets dann auch noch, wie effizient Powerplay sein kann: Einmal Hin und Her zwischen Wick auf Piispa und es stand 3:0 (39.).

Gäste mit Beinahe-Comeback

Das Schlussdrittel begann dann allerdings mit einer kalten Dusche für die Jets: Martina Řepková nutzte eine Strafe gegen Nina Metzger zum 3:1-Anschlusstreffer (42.). Die Partie wurde nun hektischer, erst recht, als Vivienne Knüsel (47.) nach einem Chipball von Spichiger auf 3:2 verkürzte.

In der Schlussphase folgte dann ein Moment, den niemand in der Halle sehen wollte: Zugs Isabelle Gerig blieb nach einem unglücklichen Zusammenprall verletzt liegen und konnte nicht weiterspielen. Betretene Gesichter auf beiden Seiten zeigten, dass sportliche Rivalität in solchen Momenten zur Nebensache wird.

Die Jets fanden den Tritt jedoch schnell wieder. Diesmal glänzte Wick nach einem Sololauf mit ihrem Blick für Ediz, die mit ebenso viel Gefühl wie Präzision zum 4:2 vollendete. Zwar kam Zug ohne Torhüterin nochmals durch Řepkovás Backhand-Volley heran (59.), doch Noomi Überschlag machte mit dem 5:3 ins leere Zuger Tor alles klar.

Den Schlusspunkt setzte ein weiteres symbolträchtiges Bild: Leonie Wieland, die an Krücken humpelnd zum Schlusskreis ihrer Teamkolleginnen stiess – strahlend, um den Heimsieg gemeinsam zu feiern.